
Dachsbraten, der Dorfbulle und eine Sämaschine in Flammen
Kleine Geschichten aus Byskov
Kleine und große Augenblicke aus einem kleinen Dorf - gesammelt aus Briefen, Erinnerungen und den Protokollen des Einwohnervereins.
Byskov hatte nie eine Kirche, eine Schule oder einen Dorfkrug. Geschichten gab es dennoch genug. Hier eine Auswahl dessen, was die Leute des Dorfes weitererzählt haben - die meisten stammen aus dem Buch Byskov - herfra min verden går („Byskov - von hier aus geht meine Welt“).
Der Dorfbulle Birch Kristoffer
Am 18. Juni 1922 wurde der Byskov Kvægavlsforening (Rinderzuchtverein Byskov) gegründet. Genauer gesagt: eine Bullenstation, denn laut Protokoll hatte der Verein nur einen einzigen Zweck - einen Bullen der Rasse Rød Dansk Mælkerace (Rotes Dänisches Milchrind) zu kaufen. Fünfzehn Mitglieder mit zusammen 83 Kühen taten sich zusammen, nahmen einen Kredit über 2.000 Kronen auf und kauften den Bullen. Er hieß Birch Kristoffer.
Der Hofbesitzer Chr. Jensen wurde jeweils für ein Jahr Bullenhalter. Er bekam 1,50 Kronen am Tag - und seine eigenen acht Kühe wurden kostenlos gedeckt. Sollte sich der Bulle als „feurig“ erweisen, durfte er in begrenztem Umfang auch für andere Kühe als die 83 der Mitglieder eingesetzt werden, selbstverständlich gegen einen erhöhten Preis.
Im August 1925 kam der Vorstand auf den Gedanken einer „Blutauffrischung“. Birch Kristoffer wurde unter den Mitgliedern versteigert, und der Zuschlag fiel bei 1.000 Kronen - an Chr. Jensen. Der Vorschlag, einen neuen Bullen zu kaufen, wurde zu den Akten gelegt, und das Protokollbuch gleich mit. Der Verein brachte es nie auf mehr als seinen allerersten Vorstand.
Aufgeschrieben hat die Geschichte übrigens Hans Suhr von Vægtergården („Wächterhof“).
Bodille auf der Tierschau
Oben auf dem Dachboden von Vægtergården hängt an Schnüren eine ganze Reihe von Tierschau-Plaketten - viele davon vom großen Stier Tarzan. Eine stammt von der gemeinsamen Tierschau der östlichen Inseln (Fællesdyrskuet for de østlige øer) in Roskilde 1987: Katalognummer 789, 22 Punkte für Typ. Darunter hat jemand mit blauem Kugelschreiber geschrieben: Bodille.
Wie Tarzan und die anderen Tiere auf den Plaketten war Bodille ein Simmentaler Rind, eine große, kräftige Rasse aus der Schweiz. Die Kuh gehörte Hans und Kis Suhr und war nach Bodil aus Smedehuset auf der anderen Seite des Dorfteichs benannt - der ältesten Tochter des Schmieds Alfred Jørgensen, die als junges Mädchen auf Vægtergården in Stellung gewesen war. Bodil war die Großmutter von Lars Sommer, dem der Hof heute gehört. So hängt die Plakette mit ihrem Namen nun auf seinem eigenen Dachboden.
Der Dachs, der als Widder aufgetischt wurde
1888 ließ sich Rasmus Kristiansen als Schmied in Byskov nieder, auf einer kleinen Häuslerstelle an der Lille Byskovvej. Er und seine Frau Amanda bekamen 13 Kinder, und sie lebten in ärmlichen Verhältnissen.
Eines Tages setzte Amanda Rasmus etwas Fleisch vor. Es sei der Widder von Niels Sommer, sagte sie - und damit war Rasmus überaus zufrieden. Als er gegessen hatte, erzählte sie ihm die Wahrheit: Es war ein Dachs, den Johansen vom Skovbjerggaard geschossen hatte. „Schmied-Rasmus“ galt als sehr jähzorniger Mann und warf die abgenagten Knochen nach Amanda.
Er wurde übrigens 90 Jahre alt. Die alte Schmiede steht noch immer an der Lille Byskovvej.
Die Eismühle auf dem Dorfteich
Wenn der Dorfteich zugefroren war, bauten die Kinder in Byskov eine Eismühle. Ein Pfahl wurde durch das Eis bis zum Grund getrieben, sodass er einen Meter herausragte, und oben wurde eine lange Stange mit einem kräftigen Nagel befestigt. Am Ende der Stange saß ein Haken, in den man seinen Schlitten einhängte. Dann schob eine Schar Kinder die Stange im Kreis, und der Schlitten bekam ordentlich Fahrt. Ungefährlich war das keineswegs, wenn er sich losriss.
Als die Eismühle aus der Mode gekommen war, hackte man stattdessen das Eis in Schollen auf - „camper“ oder „klamper“ - und sprang von Scholle zu Scholle, um nicht ins eiskalte Wasser zu fallen. Mogens Sommer, der davon erzählte, fiel selbst einmal hinein. „Aber so schlimm war das nicht, ich wohnte ja gleich am Dorfteich.“
Im Sommer ritten die Knechte die Pferde durch den Dorfteich, um den Lehm von den Beinen zu spülen, und die Kinder durften manchmal mitreiten. Und das ganze Jahr über musste man sich natürlich vor Tang Rasmus in Acht nehmen.
Die Briefe vom Skovbjerggaard
Von 1888 bis 1892 schrieb Lene Pedersen vom Skovbjerggaard Briefe an ihren Sohn Laurits, der in Kopenhagen Theologie studierte. Die Briefe sind erhalten und gewähren einen seltenen Blick in den Alltag in Byskov vor über hundert Jahren: die Ernte, die bis nach neun Uhr abends dauerte, das Malz, das gemahlen werden musste, und das Gammelgilde (ein traditionelles Bauernfest), bei dem die Bauern aus Byskov und Klodskov bis zwei Uhr nachts tanzten.
Am 8. Mai 1892 schrieb sie: „Am Freitag hatte Vægterens Hans Hochzeit, wir waren alle eingeladen.“ Gemeint war Hans Olsen Vægter von Vægtergården, der heiratete.
Im selben Jahr schrieb sie über ein Unglück. Der Hof des Nachbarn Hans Larsen brannte von vier Uhr nachmittags bis weit in den Abend. Man vermutete, dass die Kinder mit Schwefelhölzern gespielt und die Feimen angezündet hatten. Die Rübenmädchen, die ganz in der Nähe Rüben zogen, schlugen sofort Alarm, und Gunilla trug Kleidung aus dem Haus, bis die Decke einstürzte. Die Familie konnte fast den ganzen Hausrat und alle Tiere retten - und wohnte danach bei Pedersens auf dem Skovbjerggaard, während der Hof wieder aufgebaut wurde. „Für eine so große Familie geht ja auch nicht wenig Essen drauf“, schrieb Lene.
Als die Nachbarn die Sämaschine ins Feuer zurückschoben
Byskov hat seine Brände erlebt. 1916 schlug der Blitz in das Anwesen von Rudolf Davidsen, und seine siebenjährige Tochter Hedvig stand beim Nachbarn am Fenster und sah ihr Zuhause brennen. 1952 schlug der Blitz in das Strohdach von Georg Andersen an der Klodskovvej, und die Feuerwehr fuhr in die falsche Richtung, denn damals gab es weder Straßen- noch Hausnummern - und es regnete, sodass man den Rauch nicht sehen konnte.
Die beste Brandgeschichte stammt aber aus dem Jahr 1938, als Carl Nielsens strohgedecktes Haus an der Lille Byskovvej bis auf die Grundmauern niederbrannte. Carl Nielsen besaß eine Sämaschine gemeinsam mit mehreren Nachbarn. Die Abmachung war, dass er die Maschine unterstellte, während die Nachbarn die Brandversicherung zahlten. Als die Nachbarn zum Brand kamen, sahen sie, dass Carl Nielsen die Sämaschine noch hatte herausziehen können. Das fanden sie dann doch etwas übereifrig - sie hatten ja viele Jahre die Versicherung bezahlt -, und so schoben sie sie wieder in das brennende Haus zurück.
Das war keine gute Idee. Carl Nielsen hatte sie nämlich nie versichern lassen. Die Nachbarn beschlossen, dass er bei ihrer nächsten Sämaschine nicht mehr dabei sein sollte.
Byskov hatte viele Jahre lang seine eigenen Feuerwehrleute. 1962 waren es sieben, mit dem Hofbesitzer Harry Christensen als Brandvogt - und dem Schmied Alfred Jørgensen aus der Schmiede als einem der Feuerwehrmänner. Ihre wichtigste Aufgabe war die Brandwache, solange noch Glut da war.
Himmerighuset
Mitten in Byskov, hinter Vægtergården und östlich davon, stand einst ein kleines Haus mit einem schönen Namen: Himmerighuset („Himmelreichhaus“). Benannt war es nach einem früheren Bewohner, dem Pächter und Gatterwächter Niels „Himmerig“, der für die Gatter in den Zäunen zwischen Byskov und den Nachbardörfern zuständig war. Später betrieb der Besitzer im Haus eine Schwarzschenke - es ging laut zu, und schließlich wurde das Haus abgerissen.
Um 1860 wollte das Kirchspiel das Haus als Armenhaus für seine Alten und Kranken kaufen. Es sollte 300 Reichstaler kosten. Doch der Hofbesitzer Peter Vægter vom anderen Vægter-Hof stimmte dagegen, weil das Haus zu nah an seinem Hof lag - und damals konnte die Kommune einen Kauf nicht erzwingen. Peter Vægters Widerstand sorgte dafür, dass niemand in Byskov ein Armenhaus zum Nachbarn bekam.
Das Dorf des Jahres
Die Kommune Nørre Alslev kürte über eine Reihe von Jahren ein „Dorf des Jahres“, und 1995 wurde Byskov zum Dorf des Jahres 1996 gewählt. Die Kriterien waren Aktivität und guter Zusammenhalt. Am Samstag, dem 16. September 1995, wurde die Auszeichnung dem Einwohnerverein bei einer Kaffeetafel auf dem Skovbjerggaard überreicht, wo der Bürgermeister eine Rede hielt und der Vereinskasse 2.000 Kronen schenkte - unter anderem für einen Spielplatz. Und an den Zufahrtsstraßen des Dorfes wurden Schilder aufgestellt, damit alle sehen konnten, dass Byskov ein guter Ort zum Leben ist.
Quellen: Ketty Lykke Jensen, Byskov - herfra min verden går (2010): Hans Suhr über den Bullenverein (S. 43), die Schmiede in Byskov (S. 38-39), Mogens Sommers Erinnerungen an den Dorfteich und die Brände, die Briefe vom Skovbjerggaard 1888-92, das Armenhaus (S. 30-31, 126) und „Byskov - årets landsby“. Bodille: die Tierschau-Plakette auf dem Dachboden von Vægtergården und die Erzählung der Familie.