
Erzählt von Lars Sommer
Die Schmiede (Smedehuset) - der Nachbar am Dorfteich
Meine Familie hat sechs Generationen lang in der Schmiede neben Vægtergården gewohnt. Am 5. Oktober 2026 sind wir auf die andere Seite des Dorfteichs gezogen.
Vægtergården (der „Wächterhof“) hatte immer einen Nachbarn auf der anderen Seite des Dorfteichs: die Schmiede. Byskovs erster Schmied, Jacob Willadsen, pachtete 1829 „den sogenannten Hans Vægters Grund mit Haus“. Und als die Bauern 1898 gemeinsam eine neue Schmiede bauten, stand sie auf einem Grundstück mitten im Dorf, das man Hans Vægter abgekauft hatte.
Seit dem Ende der 1890er Jahre wohnt meine Familie in der Schmiede (Smedehuset). Ich selbst habe dort gewohnt, und meine Kinder sind die sechste Generation im Haus. Jetzt wohnen wir auf Vægtergården.
Mein Ururgroßvater Laurits, der Schmied aus Sørup
Peder Laurits Jørgensen wurde am 9. Juli 1873 in Sørup im Kirchspiel Eskilstrup geboren, als Sohn des Schmieds Jørgen Peter Johansen und der Else Andersen. Getauft wurde er am 7. September desselben Jahres in der Kirche von Eskilstrup auf den Namen Lauritz Peter - erst später tauschten die beiden Namen die Plätze. Am 7. November 1897 heiratete er in der Kirche von Ønslev Maren Sofie Rasmussen, und 1898 kam er als junger Schmied nach Byskov. Er mietete die Schmiede zunächst und kaufte sie am 7. Juni 1900 den Bauern des Dorfes für 2.200 Kronen ab, mit Amboss, Blasebalg, Feilbank, Kachelofen und „1 indmuret Gryde“ (einem eingemauerten Kessel) im Kaufpreis.
„Underskrevne Gaardejere i Byskov … Hans Olsen Vægter … sælge samt skøder og overdrager herved til Smed Peder Laurits Jørgensen af Byskov den os i forening tilhørende ejendom Matr. nr. 14b af Byskov By.“
Es war also ein Vægter, der den Kaufbrief für das Haus meiner Familie unterschrieben hat. Laurits und seine Frau Maren Sofie, die selbst aus dem Kirchspiel Ønslev stammte, bekamen sechs Kinder. Er beschlug Pferde, schmiedete Pflugscharen nach und zog neue Eisenreifen auf Wagenräder, die im Dorfteich abgekühlt wurden - denn dort gehört eine Schmiede hin. Er kannte den Nachbarn gut: Es war Laurits, der eines Tages nach Vægtergården hinüberkam und Hans Vægter aus dem Keller rufen hörte, er habe den Zapfen verloren und stehe mit dem Finger im Loch des Bierfasses. 1922 kaufte er ein Auto, und es kostete genauso viel wie die Schmiede: 2.200 Kronen.
In der Volkszählung von 1921 steht die Schmiedefamilie in der verschnörkelten Handschrift des Schreibers: Laurits, Schmiedemeister, 1898 ins Kirchspiel gekommen. Maren Sofie, geboren 1870. Sohn Rasmus, geboren 1899, der Schmiedegeselle bei seinem Vater war. Und der Jüngste, Svend Alfred, geboren am 19. November 1910. Die vier anderen Kinder stehen nicht auf der Liste.
Mein Urgroßvater Alfred, der Schmied mit der Mandoline
Alfred Jørgensen - der eigentlich Svend Alfred hieß - wurde am 19. November 1910 in der Schmiede geboren. Als Junge trieb er auf Vægtergården die Pferde am Göpel an, und er sah 1915 den ersten Selbstbinder von Byskov auf den Hof kommen. Mit 16 holte er die Hebamme im Auto seines Vaters, und als junger Mann war er Heizer am Lokomobil, das die Dreschmaschine des Dorfes antrieb.
Er wurde am 12. März 1911 in der Kirche von Ønslev getauft, und unter den Paten stand ein junges Mädchen von der anderen Seite des Dorfteichs: Maren Hansine Vægter von Vægtergården - die letzte Vægter auf dem Hof. Der Sohn des Schmieds bekam also die Tochter des Hofes als Patin. Gut hundert Jahre später zog sein Urenkel auf Vægtergården ein.
1934 übernahm er die Schmiede, im selben Jahr, in dem Karen und Svend Suhr Vægtergården kauften. Er spielte an Sommerabenden am Dorfteich Mandoline für die jungen Leute, schlug noch mit 45 Jahren Flickflacks und drehte eine Runde auf Schlittschuhen, wenn das Eis trug. Seine Frau Karla war die beliebte Festköchin der Gegend, unter anderem auf Sommergaarden in Byskov. (Und der guten Ordnung halber: Die Familie Sommer auf Sommergaarden ist nicht meine Familie. Dass ich auch Sommer heiße, ist reiner Zufall.) Als die Landwirtschaft mechanisiert wurde, schloss Alfred die Schmiede Mitte der 1950er Jahre. Schraubstock und Wetterfahne der Schmiede hängen heute im Danmarks Traktormuseum in Eskilstrup.
Im Krieg kamen die Bomben ganz nah. In der Nacht zum 22. April 1943 erwachte meine Urgroßmutter Karla vom Fluglärm, zog den Verdunkelungsvorhang beiseite und sah einen großen Bomber tief über den Garten gleiten. Sie hörte ein Zischen, duckte sich unter das Fenster, und im selben Augenblick wurde das Schlafzimmer hell erleuchtet: Eine Phosphorbombe brannte nur zwanzig Meter vom Haus entfernt. Lesen Sie über die Bombennacht in Byskov.
Viele der Geschichten, die wir heute von Byskov kennen, stammen von Alfred. Anfang der 1990er Jahre begann eine Arbeitsgruppe des Einwohnervereins Byskov (Byskov Beboerforening), die Ältesten des Dorfes zu interviewen, und Alfred und Karla erzählten von der Schmiede, der Ernte, der Bombennacht und dem Leben rund um den Dorfteich. Alfred starb 1994, aber seine Erzählungen wurden aufbewahrt und flossen ein, als Byskov - herfra min verden går („Byskov - von hier aus geht meine Welt“) 2010 endlich erschien.
Meine Großmutter Bodil: der Schulweg und Vægtergården
Meine Großmutter Bodil war die älteste Tochter von Alfred und Karla. Sie besuchte die Ønslev Skole bis einschließlich der 7. Klasse, und auf dem Schulfoto von 1945 steht sie als „Bodil Jørgensen, Byskov Smedie“. Der Schulweg führte über die Byskovvej, und er dauerte seine Zeit: Am Weg verlief der Graben, und dort spielten sie Grabenstock und sprangen hin und her darüber. Und sie spielten mit Reifen und Stock, so dass der Reifen vor ihnen die Straße entlangsauste.
In der Schule erlebte sie, dass die Kinder je nachdem, ob sie aus einem armen oder einem gewöhnlichen Elternhaus kamen, sehr unterschiedlich behandelt wurden, und das frustrierte sie sehr. Es ging so weit, dass mein Urgroßvater Alfred zur Schule hinaufgehen und den Lehrer kräftig zurechtweisen musste. Meine Großmutter beschrieb den Lehrer später als „einen Riesenidioten“. Der Schmied von Byskov ließ sich Ungerechtigkeit nicht gefallen.
Nach der 7. Klasse ging Bodil in Stellung und wurde Hausmädchen auf Vægtergården. 1998 kauften sie und mein Großvater Cai Reimann die Schmiede, damit sie in der Familie blieb.
Auch auf andere Weise hat sie auf Vægtergården Spuren hinterlassen. 1987 hatten Hans und Kis eine Kuh, die sie nach ihr benannt hatten: Bodille. Sie war auf der Tierschau in Roskilde, und ihre Plakette hängt noch heute auf dem Dachboden des Hofes.
Meine Mutter Hanne und die Raketen
Bodils Kinder spielten viel auf Vægtergården mit den Kindern von Hans und Kis Suhr, Anne und Lars. Unter anderem schossen meine Mutter Hanne und Lars Raketen aus dem Fenster von Lars’ Zimmer. Die Raketen kosteten 10 Øre das Stück, und es wurde nie entdeckt - bis jetzt.
Über den Dorfteich
Als Kind lernte ich, dass man dem Dorfteich nicht zu nahe kommen sollte, denn dort wohnt Tang Rasmus. Jetzt wohnen wir auf seiner anderen Seite.
Am 5. Oktober 2026 zogen Louise und ich über den Dorfteich nach Vægtergården, den wir von Hans und Kis Suhr übernommen haben. Meine Mutter, Hanne Reimann, übernimmt die Schmiede, die in der Familie bleiben soll.
Nach 125 Jahren als Nachbarn sind Schmiede und Hof auf diese Weise zu einer einzigen Geschichte geworden. Nun sind wir an der Reihe, gut auf sie aufzupassen.
- Lars Sommer, Vægtergården, Oktober 2026
Quellen: Ketty Lykke Jensen, Byskov - herfra min verden går (2010), S. 38-41 und 128-132, sowie die eigenen Erzählungen der Familie. Die Volkszählung von 1921, Kirchspiel Ønslev, und die Kirchenbücher des Kirchspiels Eskilstrup (1873) und des Kirchspiels Ønslev (1910) (das dänische Reichsarchiv, Rigsarkivet, Arkivalieronline).