
Sagen aus der Gegend
Trolle im Oustrup-Wald
Die Trolle seien am Aussterben, sagte man in den 1840er Jahren. Doch im Oustrup-Wald gab es sie noch - und jeder vernünftige Mann trug einen Vogelbeerzweig in der Tasche.
Als Pastor Lindberg in den 1840er Jahren die Sagen der Gegend aufschrieb, erfuhr er, dass das „troldtøj“ (das Trollgesindel) im Aussterben begriffen sei. Die Leute glaubten den Grund zu kennen: Die Trolle wohnten in den Hügelgräbern, und die meisten Hügel waren aufgegraben, untergepflügt oder auf andere Weise gestört worden. Da zogen die Trolle fort - oder starben aus.
Ganz verschwunden waren sie aber nicht. Hie und da konnten sie noch sehr böse sein. Ein Moor im Kirchspiel Karleby hieß Troldemosen (Trollmoor). Und im Oustrup-Wald, nicht weit von Byskov, gab es noch Trolle.
Die Maj-røntol
Zum Glück gab es ein Mittel gegen sie. Man konnte laut singen, wenn man durch den Wald ging - das half ein wenig. Das sicherste Mittel aber war eine Maj-røntol: ein kleiner Zweig vom Vogelbeerbaum (der Eberesche), im Mai abgeschnitten. Hielt man ihn im Mund, konnten die Trolle keinen Schaden anrichten.
Die Eberesche hieß auf Falster maj-ræn oder maj-ræn-træ, und nach Lindberg trug jeder „vernünftige“ Mann stets einen solchen Zweig bei sich, um für den Notfall gerüstet zu sein.
Die Eberesche war im nordischen Volksglauben überhaupt ein mächtiger Baum. Sie wurde als Schutz gegen Zauberei, Hexen und böse Wesen verwendet - über der Stalltür, im Boot und in der Tasche.
Die Wälder auf Nordfalster
Der Oustrup-Wald und der Hannenov-Wald hängen zusammen und bilden eines der großen Waldgebiete Falsters. Heute führen markierte Reitwege hindurch - siehe Reiten in der Umgebung. Wenn Sie dorthin reiten, nehmen Sie einen Vogelbeerzweig mit. Man weiß nie. Und im Hannenov-Teil muss man sich zudem vor dem Elfenvolk in Acht nehmen.
Quelle: J.K. Lindbergs Sagenaufzeichnungen, wiedergegeben in Ketty Lykke Jensen, Ønslev og Eskilstrup Sogne (2009), S. 186. Nacherzählt.