
Sagen aus der Gegend
Præstepanden
Als der Pastor aus Tåderup den Pastor aus Ønslev in die Erde bannte, blieb ein bodenloser Tümpel zurück. Stößt man dort einen Stock hinein, kann man auf seine Stirn treffen.
Ein Pastor aus Ønslev besuchte einmal den Pastor in Tåderup. Worüber die beiden Herren in Streit gerieten, verrät die Sage nicht. Aber es endete damit, dass der Pastor aus Tåderup anfing, den Ønslever Pastor in die Erde zu bannen.
Leicht war das nicht. Der Ønslever Pastor leistete Widerstand und wich Schritt für Schritt zurück, den ganzen Weg bis ans Ende der Wiese des Pfarrhofs von Tåderup. Erst dort sank er endlich in den Boden.
An dieser Stelle gibt es bis heute einen kleinen Tümpel, und er ist bodenlos. Doch stößt man dort einen Stock hinein, so kann man bisweilen auf etwas Hartes stoßen: das Stirnbein des Ønslever Pastors. Darum heißt der Ort Præstepanden - die „Pastorenstirn“.
Das Bannen
Im alten Volksglauben konnten Pastoren mehr als predigen. Ein Pastor, der die rechten Worte kannte, konnte Gespenster und böse Geister in die Erde bannen - oft in ein Moor, einen See oder einen Tümpel, wo sie für immer bleiben mussten. Dass hier ein Pastor einen anderen Pastor bannt, verleiht der Sage einen ganz eigenen Humor: Die Rivalität zwischen benachbarten Kirchspielen spielte sich offenbar nicht nur unter den Bauern ab.
Byskov gehört zum Kirchspiel Ønslev, also ist es unser Pastor, der da unten liegt. Wir haben nicht vor, einen Stock in das Loch zu stecken, um nachzusehen.
Quelle: J.K. Lindbergs Sagenaufzeichnungen, wiedergegeben in Ketty Lykke Jensen, Ønslev og Eskilstrup Sogne (2009), S. 187. Nacherzählt.